Leo Brunschwiler

Erschwingliche Kunst für alle

von Peter E. Schaufelberger

Originalgraphik von 40 Kunstschaffenden bei Kultur im Bahnhof

In den Galerien der Klubschule ist der Verein für Originalgraphik, Zürich, zu Gast: Die Ausstellung mit «Schwerpunkt Ostschweiz» zeigt Arbeiten von rund 40 Kunstschaffenden.


Als «erschwingliche Kunst für alle» umschreibt Josef Felix Müller die graphischen Blätter, wie sie der Verein für Originalgraphik seit über 50 Jahren herausgibt. Seit 1948 sind über 6000 Auflagen erschienen; 1600 sind aus den älteren Beständen noch erhältlich, doch kommen jährlich etwa 100 neue Arbeiten hinzu. Es sind durchwegs Werke, die im Auftrag des Vereins geschaffen, in streng limitierten Auflagen von 15 bis 100 Exemplaren gedruckt und in der Regel zu Preisen zwischen 120 und 360 Franken verkauft werden.

Vereinsblatt und Katalog

Die Kunstschaffenden, die von einer Auswahlkommission angefragt werden, erhalten ein vom Verkaufserfolg unabhängiges Honorar sowie eine Anzahl Künstlerexemplare. Den 1500 Vereinsmitgliedern wird der Jahresbeitrag bei einem Kauf voll angerechnet; als weitere Vergünstigung erhalten sie Rabatt auf den Listenpreisen, die Nichtmitgliedern verrechnet werden. Angeboten werden die Originalgraphiken zum einen in den vierteljährlichen Mitteilungsblättern und einem alle zwei Jahre aktualisierten Katalog, zum andern an einer Jahresausstellung in Muttenz und an Ausstellungen in andern Landesteilen. Nach längerer Pause gastiert der Verein nun wieder in der Ostschweiz, mit einem regionalen Schwerpunkt einschliesslich Graubünden. Für Vernissageredner Josef Felix Müller, in dessen Schaffen der Holzschnitt eine bedeutende Rolle spielt, ist die Originalgraphik eine Möglichkeit, «künstlerische Anliegen und Inhalte zu verbreiten» und auch Menschen mit bescheidenen Mitteln einen Zugang zur bildenden Kunst zu öffnen. Als wichtig für sich selbst bezeichnet er die unabdingbare «Verdichtung von Inhalten»: Graphische Techniken zwingen zur Konzentration der Mittel und zu klaren Vorstellungen der Gestaltung.

Vielfalt der Techniken

Neben der stilistischen Vielfalt dokumentiert die Ausstellung die Vielfalt an graphischen Techniken. Zwar herrschen die herkömmlichen Verfahren auch unter den Ostschweizer Kunstschaffenden vor. Mark Staff Brandl, Leo Brunschwiler, Roswitha Doerig und Barbara Heé sind mit Lithographien vertreten, Gaspare O. Melcher, Hans Schweizer, der in Chur lebende Georg Tannò und Hans Thomann bevorzugen wie manche Künstler aus andern Regionen verschiedene Formen der Radierung, bisweilen kombiniert oder, wie der Bündner Thomas Zindel, in Verbindung mit der Lithographie, die vom gleichen Künstler auch zusammen mit der Technik des Holzschnitts verwendet wird. Holzschnitte aus den Jahren 1992 und 1998 sowie 2001 entstandene Aquatinta-Arbeiten stammen von Josef Felix Müller, mit Linolschnitt, Lithographie und Aquatinta arbeitet der Bündner Matias Spescha. Drei schöne kleinformatige Serigraphien und ein auf den gleichen Formelementen basierendes Multiple zeigt die in New York lebende Regi Müller. Doch nicht nur in der Druckindustrie, sondern auch in der Originalgraphik haben fotografische und computergesteuerte oder -gestützte Verfahren Eingang gefunden. So hat der Winterthurer Nicola Jaeggli drei Ilfochrome-Prints auf Alu geschaffen, ein Mappenwerk mit sechs Laserprints des Luzerners Niklaus Lenherr ist herausgegeben worden, und die Zürcherin Cécile Wick ist mit vier Ink-jetprints vertreten. Wesentlich differenzierter sind die «Heliogravures» der gleichen Künstlerin, eine auf der Fotografie beruhende, handwerklich aufwendige Technik aus dem 19. Jahrhundert.

Bis 3. November 2002, Klubschule Hauptbahnhof, Mo-Fr 8-22, Sa 9-16, So 9-14 Uhr

Quellenangabe: St.Galler Tagblatt, 19.08.02

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